Knochen

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Kno|chen ['knɔxn̩], der; -s, -:
a) einzelner Teil des Skeletts (bei Mensch und Wirbeltieren):
schwere, kräftige Knochen; der Fuß besteht aus mehreren Knochen; der Knochen ist gebrochen, ist wieder gut zusammengewachsen; sich einen Knochen brechen.
Zus.: Armknochen, Backenknochen, Beckenknochen, Fußknochen, Handknochen.
b) <Plural> (ugs.) jmds. Gliedmaßen; der ganze Körper:
nach dem Sturz taten ihr alle Knochen weh.

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Knọ|chen 〈m. 4
I 〈unz.〉 feste, hauptsächlich aus faserigem Grundgewebe mit kalkhaltigem Material bestehende Stützsubstanz des Skeletts der Wirbeltiere: Os ● er ist nur noch Haut und \Knochen sehr dünn, sehr mager
II 〈zählb.〉
1. Teil des Skeletts (Becken\Knochen, Oberschenkel\Knochen)
2. 〈nur Pl.〉 Glieder
3. Schraubenschlüssel mit verdickten Enden
4. 〈umg.〉 Person, Kerl
● sich die \Knochen brechen; seine \Knochen hinhalten sich für etwas opfern; jmdm. die \Knochen polieren 〈umg.〉 jmdn. heftig verprügeln; wehtun: mir tun alle \Knochen weh ich bin zerschlagen, erschöpft; zusammennehmen: nimm, reiß deine \Knochen zusammen! 〈umg.〉 nimm dich zusammen!alter \Knochen! alter Kerl, Bursche; feste, schwere, starke, weiche, zarte \Knochen haben; ein müder \Knochen 〈fig.; umg.〉 schlapper, energieloser Mensch; seine müden \Knochen ausruhen 〈umg.〉 ● der Hund nagt an einem \Knochen; bis auf die \Knochen abmagern; sich bis auf die \Knochen blamieren 〈umg.〉 sehr blamieren; die Wunde geht bis auf den \Knochen; er ist konservativ bis in die \Knochen 〈umg.〉 sehr, zutiefst, bis ins Innerste konservativ; der Schreck fuhr mir in die \Knochen 〈umg.〉; er hat keinen Mumm in den \Knochen 〈umg.〉 er hat keine Kraft; 〈fig.〉 er hat keinen Mut; die Krankheit lag mir schon lange in den \Knochen 〈umg.〉; der Schreck liegt, sitzt mir noch in den \Knochen 〈umg.〉; Fleisch mit, ohne \Knochen (zum Braten od. Kochen)
[<mhd. knoche, wohl lautmalend; zu knacken „Gegenstand zum Schlagen“; verwandt mit engl. knock „schlagen“]

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Knọ|chen: im Skelett der Wirbeltiere das feste Stützgewebe aus ca. 55 % anorg. Salzen (haupts. Calciumphosphat bzw. Hydroxylapatit neben wenig Calciumcarbonat), ca. 25 % org. Materie (haupts. Proteoglykane u. – hier Ossein genannte – Kollagene) sowie ca. 20 % Wasser.

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Knọ|chen , der; -s, - [mhd. knoche, zu: knochen = drücken, pressen, eigtl. = das, womit man gegen etw. schlägt, zu einem urspr. lautm. Verb, das mit knacken verwandt ist (vgl. mhd. knochen = drücken, pressen; engl. to knock = schlagen, stoßen)]:
1.
a) harter, hauptsächlich aus Kalk bestehender Teil des Skeletts:
schwere, feste, zierliche, kräftige K.;
der K. ist gebrochen, ist wieder gut zusammengewachsen;
sich einen K. brechen;
jmdm. die K. zusammenschlagen, kaputt schlagen (salopp; jmdn. verprügeln);
die Wunde geht bis auf den K.;
R du kannst dir die K. nummerieren lassen (derb; Drohung, jmdn. heftig zu verprügeln);
bis auf/in die K. (ugs.; bis ins Innerste, durch u. durch: wir wurden nass bis auf die K.; sein Opa war Nazi bis auf die K.; sie hat sich bis auf die K. blamiert);
b) Knochen (1 a) von Schlachttieren:
der Fleischer löst den K. aus der Keule;
der Hund nagt an einem K.;
aus den K. eine Suppe kochen;
ein Pfund Fleisch mit, ohne K.;
das Fleisch fällt vom K. (ist sehr weich u. zart);
c) <o. Pl.> Knochensubstanz:
Kalk hat K. bildende Wirkung;
eine aus K. geschnitzte Figur.
2. <Pl.> (ugs.) Glieder, Gliedmaßen:
mir tun sämtliche K. weh;
die alten K. (der alte Körper) wollen nicht mehr;
hoffentlich hast du dir nicht die K. gebrochen;
mit heilen K. (unversehrt) davonkommen;
[für jmdn., etw.] die/seine K. hinhalten ([für jmdn., etw.] einstehen, Leid auf sich nehmen, sich opfern);
auf die K. gehen (ugs.; sehr anstrengend sein: diese Arbeit geht auf die K.);
jmdm. in die K. fahren (jmdn. sehr berühren, von jmdm. stark gespürt werden: ihm war die Angst in die K. gefahren);
jmdm. in den K. stecken/sitzen/liegen (von jmdm. noch gespürt werden, in jmdm. nachwirken: der Schreck steckt ihr noch tief in den K.)
3. (ugs. abwertend) männliche Person:
er ist ein elender, fauler, zäher, reaktionärer, autoritärer K.;
das kann man dem alten K. nicht mehr beibringen.
4. (ugs.) Schraubenschlüssel in Form eines Knochens mit zwei verdickten Enden.

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Knochen
 
[mittelhochdeutsch knoche, zu knochen »drücken«, »pressen«, eigentlich »das, womit man gegen etwas schlägt« (ursprünglich lautmalend)], Ọssa, Stützelemente der Wirbeltiere (einschließlich Mensch), die meist über Gelenke miteinander verbunden sind und in ihrer Gesamtheit das Skelett bilden.
 
Die Knochenbildung (Verknöcherung, Osteogenese, Ossifikation) geht von bestimmten Mesenchymzellen, den Knochenbildnern (Osteoblasten), aus, die als Interzellularsubstanz kollagene Fibrillen, die den Knochenleim ergeben, in einer sich verfestigenden Kittsubstanz ausbilden. In dieses Gewebe, das der organischen Gerüstsubstanz Ossein des Knochens entspricht, werden anorganische Verbindungen (v. a. Calciumphosphat und Kalksalze) eingelagert. Aus den Osteoblasten werden die Knochenzellen (Osteozyten), die nun, durch harte Knochensubstanz voneinander getrennt, in Hohlräumen (Knochenhöhlen) eingeschlossen liegen, jedoch über (in Knochenkanälchen verlaufende) Ausläufer miteinander in Verbindung stehen. Nach dem Feinbau der Knochensubstanz unterscheidet man (die immer zuerst angelegten) Faserknochen (mit groben, meist ein Geflecht bildenden Kollagenfibrillenbündeln; v. a. bei kleineren Tieren) und Lamellenknochen (Schalenknochen) mit feinen, parallel zueinander angeordneten Fibrillenbündeln, die Schichten beziehungsweise Lamellen oder Schalen mit abwechselnder Fibrillenrichtung bilden.
 
Die Ossifikation kann im Unterschied zur direkten Knochenentstehung (desmale Knochenbildung; bei Deckknochen) auch im Anschluss an die Entstehung und den Wiederabbau (durch knorpelzerstörende Zellen; Chondroklasten) von Knorpelgewebe (Knorpel) erfolgen (chondrale Knochenbildung; bei Ersatzknochen). Dies ist v. a. bei den langen Knochen der Gliedmaßen, den Röhrenknochen, der Fall. Bei ihnen verknöchert das röhrenförmige Mittelteil (Diaphyse), das zwischen den Gelenkenden (Epiphyse) und einer Knorpelfuge (Epiphysenfuge) liegt, einerseits über die Bildung einer allmählich sich verdickenden Knochenmanschette von außen, von der Knorpel- und Knochenhaut her (perichondrale Knochenbildung, periosteale Knochenbildung), andererseits erfolgt die Verknöcherung, nach Auflösung der Knorpelzellen, von innen her (enchondrale oder endochondrale Knochenbildung) unter Ausbildung konzentrisch angeordneter Lamellen und der Knochensäulchen (Osteonen). Dieses sehr feste Knochengewebe wird als Kompakta bezeichnet. Im Inneren der Diaphyse entsteht durch Auflösung des Knorpelgewebes die primäre Markhöhle, die dann von Knochenmark erfüllt wird, das noch von einem lockeren, als Spongiosa bezeichneten Maschenwerk aus feinen Knochenbälkchen durchsetzt werden kann. Die Knochenbälkchen sind entsprechend den statischen Anforderungen verteilt und bilden je nach Zug- und Druckbelastung Spannungslinien (Trajektorien). Die Knochen sind von einer derben, gefäß- und nervenreichen Bindegewebshülle umgeben, der Knochenhaut (Beinhaut, Periost). Von ihr geht die embryonale Knochenbildung und nach Verletzungen auch die Regeneration des Knochens aus.
 
Beim Umbau der ursprünglich angelegten Knochenstruktur wird durch knochenzerstörende, vielkernige Riesenzellen (Osteoklasten) Knochensubstanz auch wieder aufgelöst (z. B. beim Übergang vom Faserknochen in den Lamellenknochen).
 
Knochen haben die gleiche Elastizität wie Eichenholz und die gleiche Zugfestigkeit wie Kupfer. Die Druckfestigkeit ist sogar größer als die des Sandsteins, die Biegefestigkeit ist mit der des Flussstahls vergleichbar.
 
Störungen und Erkrankungen im Bereich der Knochen treten außer in Form der Gelenkkrankheiten und der Knochenbrüche in Gestalt von Wachstums- und Stoffwechselstörungen (Marmorknochenkrankheit, Osteodystrophie, aseptische Knochennekrose, Knochenerweichung), der von Knochenhaut oder Knochenmark ausgehenden Entzündungen (Knochenentzündung) und von spezifischen Infektionskrankheiten (Knochentuberkulose), degenerativen Vorgängen (Knochenatrophie, Osteoporose, Osteochondrose) sowie Wucherungen und Geschwulstbildungen (Exostose, Knochentumoren) auf. Als Osteopathien werden v. a. systemisch auftretende (das gesamte Skelett oder einen größeren Teil betreffende) Erkrankungen bezeichnet.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Knochen: Knochentypen und Knochenaufbau
 
Knochen: Knochenentwicklung und Mineralhaushalt
 
Knochenbrüche: Formen und Behandlung
 
Knochenmarkentzündung und Osteoporose
 

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Knọ|chen, der; -s, - [mhd. knoche, zu: knochen = drücken, pressen, eigtl. = das, womit man gegen etw. schlägt, zu einem urspr. lautm. Verb, das mit ↑knacken verwandt ist (vgl. mhd. knochen = drücken, pressen; engl. to knock = schlagen, stoßen)]: 1. a) einzelner, harter, hauptsächlich aus Kalk bestehender Teil des Skeletts: schwere, feste, zierliche, kräftige K.; Kalk wirkt K. bildend; der K. ist gebrochen, ist wieder gut zusammengewachsen; Tiger streckt sich, dass die K. knacken (Degener, Heimsuchung 138); sich einen K. brechen; jmdm. die K. zusammen-, kaputtschlagen (salopp; jmdn. verprügeln); die Wunde geht bis auf den K.; R du kannst dir die K. nummerieren lassen (derb; Drohung, jmdn. heftig zu verprügeln); ... dass du deine K. im Sack nach Hause tragen kannst (derb; Ankündigung, dass die Prügel, die jmd. bekommen wird, schlimm sein werden); *bis auf/in die K. (ugs.; bis ins Innerste, durch u. durch): wir wurden nass bis auf die K.; der alte Luginbühl! Unfähig bis auf die K.! (Ziegler, Kein Recht 225); Da stehe ich, blamiert bis auf die K. (Remarque, Obelisk 72); er war ein Nazi bis auf die K.; nichts in den K. haben (ugs.; keine Kraft haben, nichts aushalten können): die jungen Burschen haben doch nichts in den K.; b) Knochen (1 a) von Schlachttieren: der Fleischer löst den K. aus der Keule; aus den K. eine Suppe kochen; der Hund nagt an einem K.; ein Pfund Fleisch mit, ohne K.; das Fleisch fällt vom K. (ist sehr weich u. zart); Ü das ist ein harter K. (ein schweres, hartes Stück Arbeit); c) <o. Pl.> Knochensubstanz: eine aus K. geschnitzte Figur; das Ohr besteht aus Knorpel, nicht aus K. 2. <Pl.> (ugs.) Glieder, Gliedmaßen: mir tun sämtliche K. weh; die alten K. (der alte Körper) wollen nicht mehr; sich die K. (Beine) ein wenig zu vertreten (A. Zweig, Grischa 227); die K. zusammennehmen, zusammenreißen (Soldatenspr.; strammstehen); ich hau dir auf die K.! (Finger, Hände); hoffentlich hast du dir nicht die K. gebrochen; mit heilen K. (unversehrt) davonkommen; [für jmdn., für etw.] die/seine K. hinhalten (für eine gefährliche Sache einstehen, sich für jmdn., für etw. opfern); auf die K. gehen (ugs.; sehr anstrengend sein): Schon die zwei Trainingsabende ... gehen auf die K. (strengen an; Chotjewitz, Friede 124); jmdm. in die K. fahren (jmdn. sehr berühren, von jmdm. stark gespürt werden): Mir war die Angst ganz schön in die K. gefahren (Ziegler, Konsequenz 67); Die frohe Botschaft aus Stockholm fuhr dem Empfänger mächtig in die K. (Spiegel 43, 1984, 272); jmdm. in den K. stecken/sitzen/liegen (von jmdm. noch gespürt werden, in jmdm. nachwirken): Die Angst, der Schreck steckt ihr noch tief in den K.; Ernas Beschimpfungen sitzen mir noch in den K. (Remarque, Obelisk 96); über die K. gehen (sehr anstrengend sein): ein 5-Satz-Match geht fürchterlich über die K. 3. (ugs.) männliche Person, Kerl: er ist ein elender, fauler, zäher K.; Wichtigster Lehrer ... Scheint ein autoritärer K., aber beliebt gewesen zu sein (Föster, Nachruf 124); Glauben Sie denn wirklich, den alten K. durch ein bisschen Kellerhaft mürbe zu kriegen? (Fallada, Herr 144). 4. (ugs.) a) Schraubenschlüssel in Form eines Knochens mit zwei verdickten Enden; b) als Nackenstütze dienendes kleines, festes Kissen in Form eines Knochens mit zwei verdickten Enden.

Universal-Lexikon. 2012.

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